Gastbeitrag: Hausgeburt nach Fehlgeburt

Heute gibt es für Euch einen weiteren Geburtsbericht einer lieben Freundin von mir.
Los geht’s:

Danke!

Wer hätte gedacht das wir überhaupt so weit kommen…

Weihnachten 2011 hieß es nach etlichen Untersuchungen, Ultraschall, Blutabnahmen und Überwachungen meines Zyklus, dass wir ohne Hilfe keine Kinder kriegen werden. Tolles Weihnachtsgeschenk…

Mir war schnell klar, so hart es ist, aber ich will keine Hormonbehandlung und schon gar keine künstliche Befruchtung. Wenn es mir nicht gegönnt ist eigene Kinder zu bekommen, so wusste ich dass wir auch auf anderen Wegen Eltern sein können.

Im Mai 2012 dann die erste große Überraschung, ich bin schwanger! Ohne Hilfe, ohne Ärzte, aber mit dem Vertrauen in die Natur und meinen Körper, dass er weiß was richtig ist.
Im Juli 2012 der erste große Ultraschall. Wir haben die Nacht zuvor bei meinen Eltern übernachtet, weil meine Frauenarztpraxis direkt um die Ecke war. Weil Sebastian aber arbeiten musste, fragte ich am Abend meine Eltern ob einer von ihnen mitkommen würde zum Termin…ich wollte auf einmal nicht alleine sein bei der Untersuchung…

Dieses Gefühl überkam mich nicht ohne Grund! Die Ärztin konnte bei der Ultraschalluntersuchung keinen Herzschlag mehr bei unserem Kind feststellen. Unser Kind, Bruno (obwohl wir nicht wissen ob es ein Mädchen oder ein Junge ist, wurde es von unseren besten Freunden so getauft und auch immer so genannt, wenn wir den Bauch streichelten) ist im 4. Monat eingeschlafen und lebt seitdem in unseren alltäglichen Gedanken!

Die Trauer war sehr groß und die nächste Zeit sehr schwer für uns. Aber wir waren sehr schnell voller Dank zu Bruno!
„Wir danken dir, dass du uns gezeigt hast, dass wir ganz natürlich schwanger werden können und danken dir für die wundervollen Wochen mit dir. Danke!“

Ich danke dir, dass ich nun doch meine Ausbildung ohne Babypause, beenden konnte. Ich danke dir, dass ich endlich den Mut hatte die Zahn-OP über mich ergehen zu lassen.
Wir danken dir, dass du uns noch mal ganz klar gezeigt hast, dass wir eine Familie gründen und sein wollen.
Danke kleine Bruno!

Der Druck war nun sehr groß. Wir wollten schnellst möglich wieder schwanger werden…

Heute ist uns klar, so konnte das nix werden!
Die Zeit verging und vor allem ich musste lernen los zu lassen und nicht kontrollieren und bestimmen zu wollen.

Rebecca, unsere Hebamme (ihr kennt sie schon aus Anitas Bericht), hatte immer ein offenes Ohr für uns. Sie begleitete uns schon in der Trauerzeit um Bruno und stand auch jetzt jederzeit mit Rat und Tat an unserer Seite. Sie empfahl mir zwei Tees, die ich über ein paar Wochen hinweg trinken sollte.
Ich trank den ersten (Nestreiniger-Tee) knapp 8 Wochen und stieg dann von heut auf morgen auf den zweiten um (leider weiß ich nicht mehr welcher es war)…2 Tage später, es war der 14.02.2013 (Valentinstag) wusste ich woher der Impuls kam! Ich war wieder schwanger! Und wieder nur mit dem Glauben an mich, meinen Körper und die Natur, den ich zwischenzeitlich verloren hatte, aber dank Rebecca wiedergefunden habe.

Rebecca begleitete uns nun von Anfang an. Sie nahm Blut ab um die Schwangerschaft zu bestätigen. Sie machte alle Vorsorge Untersuchungen, sie hörte mit uns die ersten Herztöne ab, spürte die ersten Bewegungen mit uns und kümmerte sich liebevoll um alle Wehwehchen, körperlich und seelisch. Insgesamt war ich dreimal beim FA. Um die 11. Woche herum, weil ich ins Beschäftigungsverbot musste (für mich war es ein „durfte“). Die Ärztin hat auf meinen Wunsch nur mit ihren Händen untersucht. Sie hat mich nochmals aufgeklärt über die Möglichkeiten der Vorsorge, urteilte aber nicht in einem Wort über meine Entscheidung, sondern stärkte mich in meinem Vertrauen in meinen Körper und meinen Instinkten. Die zweite Untersuchung war die Feindiagnostik. Unser erster Ultraschall. Er dauert ca. 7-10 min. Wir wollten nur wissen ob Herz und Lunge gut entwickelt sind und einer Hausgeburt nix im Wege stehe. Große Anspannung bei uns beiden… ich zögerte noch ob es wirklich gut ist diese Untersuchung zu machen? Oder will ich auf diesen Ultraschall auch verzichten? Nein! Sebastian hat aus Liebe zu mir auf so vieles verzichtet an Vorsorge, diesen einen Ultraschall machen wir! Alles ist okay mit unserem Baby! Und, wir erwarten einen Jungen!

Beim Geburtsvorbereitungskurs meinte Rebecca: „…zu diesem Zeitpunkt der Schwangerschaft, sollten wir unser Baby ungefähr 10 mal am Tag kräftig spüren…. Sebastian fragt mich: „Zählst du auch wie oft er tritt?“ Ich antwortete ihm: „Ja! Aber ich zählte die Momente in denen ich ihn nicht spüre!“
Zum Ende der Schwangerschaft bestätigte Rebecca uns, dass wir ein sehr aktives Baby haben!

3 Wochen vor dem errechneten Entbindungstermin sind wir umgezogen. Die Nacht vor dem Umzug habe ich nicht geschlafen…bitte, bitte nicht heute Nacht! Bitte lass uns noch umziehen und dann darfst du kommen!
Der Umzug ging 1,2, Fix über die Runden. Jetzt darfst du kommen Mäusebär.
Die erste Nacht in der neuen Wohnung verging.
Die 2.
Die 3.
Die 4.

Heute ist der Entbindungstermin! Und es passiert nix! Ich will nicht mehr! Ich will wieder schlafen können! Der Bauch war so groß und schwer und das Baby verschaffte sich ohne Rücksicht Platz im Bauch.
2. Tag nach ET. Die Herztöne sind nicht optimal. Zur Kontrolle fahren wir ins Krankenhaus. Mein größter Alptraum! Im KH war das CTG dann wieder top. Damit auch der Papa wieder entspannt ist, machen wir noch einen Ultraschall. Unser 2. Und insgesamt 3. Ärztliche Untersuchung. Ich bitte die Ärztin keine Größe und kein Gewicht zu nennen. Alles okay. Die Ärztin hätte gerne eingeleitet, aber 3-4 Tage im KH zu warten ob was passiert, nein danke! Warum auch wenn alle Werte in Ordnung sind!?

Wir probieren was:
Indisch essen, heiße Wanne und ein Glas Rotwein. (ein halbes Glas habe ich geschafft, da habe ich mich wie nach eine halben Flasche gefühlt). Es passiert nix…

Tag 7 nach ET.
Tag 8,9,10,11 nach ET…
Ich will nicht mehr und schon gar nicht will ich ins KH und dort entbinden!!!

Tag 12 nach ET. Akupunkturnadeln, Öle, Gewürze, nix hat angeschlagen…Aber ein Versuch haben wir noch bevor es zur Einleitung ins KH geht!

Tag 13 nach ET. Ich habe mir ins Abendbrot Rizinusöl gemischt. Das war um 19:00Uhr.
20:00Uhr; ich fühle mich wie immer. Bauch ist schwer, das Baby tanzt im Bauch und ich weiß nicht ob ich liegen, sitzen oder stehen schlimmer finde …
21:00Uhr; nix hat sich verändert…
22:00Uhr; noch immer tut sich nicht. Nicht mal aufs Klo muss ich.
22:50Uhr; nichts ist passiert. Okay, sehr schade. Mein Wunsch den Kleinen zu Hause zu bekommen erfüllt sich nicht. Wenn er sich dazu entschieden hat das das KH der bessere Ort für uns ist. Dann werde ich das jetzt akzeptieren müssen. Es ist klar, morgen früh um 08:00Uhr, fahren wir ins KH und leiten die Geburt ein. Jetzt sind wir müde vom Warten. Wir gehen Zähne putzen und ab ins Bett.

22:53Uhr; ich lege mich ins Bett und decke mich zu… “puh“, so schwer fiel es mir bisher nicht mich hin zulegen. Ich muss tief durchatmen um wieder zu Luft zu kommen.
22:58Uhr; schon wieder. Ich muss tief durchatmen!

Ich: „Schatz! Irgendwas ist anders!“
Sebastian: „Vielleicht doch Wehen?“
Ich: „Nein, das waren gerade mal 5 min Abstand!!!“

Wir lassen trotzdem mal den Wehenzähler mitlaufen…

Es sind Wehen!!! Alle 5 min und zunehmend stärker!

Aber so kann ich doch gar nicht schlafen!? Ich soll doch die Pausen nutzen!? Und was ist mit der Kürbissuppe die ich vorgekocht hatte!? Wie soll ich die denn bei dem Wehen Abstand aufwärmen?

00:30Uhr; Anruf bei Rebecca. Ich kann vor Schmerzen kaum sprechen. Sie macht sich auf den Weg! Sie ist da!!

Rebecca: „Wir bekommen jetzt ein Baby Tessa!“ Ich sage unter Tränen „Ja“.

„Oh! Was war das?“, fragte ich laut. „Es hat gerade geknallt im Bauch!?“ Blasensprung! Eins der schönsten Gefühle, die ich erleben durfte.

Rebecca sagt direkt, knie dich auf den Boden. Ich geh runter. Rebecca schiebt mir Handtücher zwischen die Beine. Aber so viel wie erwartet war es nicht. Es blieb alles in Schlüpfer und Hose…

Wehenabstand mittlerweile 3 min. Rebecca untersucht mich. Liegen ist die Hölle. Ich will nicht liegen ich will laufen…ich laufe zwischen Bad und Wohnzimmer auf und ab. Ich war froh dass Rebecca da ist. Aber ich will niemand bei mir haben. Sebastian und Rebecca sitzen im Schlafzimmer, wo unser Baby zur Welt kommen soll. Beide schauen etwas Fern, quatschen und trinken Kaffee. Ich überlege ob mich das nervt? Will ich dass sie schweigend da sitzen? Will ich sie bei mir haben? Was will ich gerade überhaupt? Die nächste Wehe. Ich quietsche jedes Mal und muss mich auf die Zehenspitzen stellen und laufen…Es wird immer schmerzhafter. Ich kann die Wehen nicht zulassen und verkrampfe mich. Rebecca kommt mich unterstützen. Sie hält mich und atmet mit mir. Sie sagt: „Wehen zulassen und wieder gehen lassen!“ Ohja, Kinderkriegen ist nicht leicht!!

Mir ist schlecht. Immer wieder hänge ich über dem Klo, aber nix passiert…

„So ein Scheiß!! Das tut sooo weh!!“, ich schreie und weine. Sebastian erzählte mir hinterher dass Rebecca ihm ziemlich genau sagen konnte was ich als nächstes tue und sage bzw. schreie. Das fanden wir beide sehr amüsant.

Wir probieren eine warme Wanne… Gar nicht gut! Mir wird schwarz vor Augen. Also wieder raus. Ich habe keine Ahnung wie ich da wieder rausgekommen bin…
Ich komme zu mir… „Ich habe mich übernommen! Ich will ins KH, ich will eine PDA! Bitte Rebecca!“
Wir sind natürlich nicht ins KH! Rebecca hatte meine Gefühle und Hormone schnell wieder unter Kontrolle.

Rebecca untersucht mich… es kommt mir vor als wenn ich alle paar Minuten liegen soll. Es ist sehr unangenehm und ich will sofort wieder aufstehen, aber Rebecca will nach sehen wie weit der Muttermund offen ist. 7cm in 1 Stunde.

Es kommen noch einige schmerzhafte Wehen. Ich laufe noch immer zwischen Bad und Wohnzimmer hin und her. Und wieder kommen die Fragen… „Warum ist keiner bei mir? Hier spielt die Musik! Ach nein, es ist gut so! Bitte fasst mich nicht an und lasst mich in Ruhe“, denke ich mir.

Rebecca guckt noch mal nach dem Stand der Dinge….

Sebastian nimmt mich in den Arm. Die nächste Wehe. Ich hänge mich in seinen Arm (ein tolles Gefühl, wie er mich hält und mir Kraft gibt)…irgendwie ist es in diesen Moment anders!? „Es drückt!?“, sage ich. Rebecca sagt ich soll mich in den Vierfüßler hocken. Das war auch meine Wunsch Position für die Geburt…

Rebecca schaut nun von unten…Meine größte Angst in diesem Augenblick, ich kacke Rebecca ins Gesicht! Immer wieder denke ich: „Bitte Rebecca komm da weg. Ich muss mich entleeren und kann es nicht steuern. Bitte komm da weg!“
Tja, hätte ich das mal laut gesagt! Denn hinterher erzählte ich es Rebecca und sie lachte! Sie hätte mir in dem Moment nämlich gesagt, dass es gar nicht geht! Das Baby hat sich soweit nach hinten geschoben, dass es mein Po-Loch komplett dicht gemacht hat.
Rebecca geht kurz raus aus dem Schlafzimmer. Jetzt sind die Wehen sehr angenehm! Es drückt stark, aber ich habe keine Schmerzen mehr. Ich bin wieder bei mir. Habe das Gefühl, wieder Kontrolle über meinen Körper zu bekommen und nun endlich auf einer Welle mit dem Baby zu sein. Ich kann wieder sprechen, denken, hören UND lachen!!! Ich höre dass Rebecca telefoniert… Sie gibt der 2. Hebamme Bescheid und ich höre das erste Mal, dass mein Baby etwas größer sei… Blitzartig schießen mir Gedanken durch den Kopf… „etwas größer“, „ein sehr großes Baby“, „4,5kg oder sogar 5kg schwer“, „du wirst bestimmt reißen“, „jetzt wird es doch nochmal sehr schmerzhaft und anstrengend“
„HALT STOP!“, sage ich mir. „du hast immer gesagt, ob 2,5kg oder 4,5kg, wehtun wird es so oder so! Und jetzt freust du dich, denn jetzt kommt dein Sohn auf die Welt!“

Jetzt ging alles noch viel schneller. Ich will erzählen und quatschen aber die Wehen kommen zu schnell nach einander. Hin und wieder ziept es ganz schön, dann sagt Rebecca immer ich solle mal hin fassen, das Köpfchen ist schon da. Aber ich will nicht.

Rebecca holt etwas und spricht mit Sebastian. „Jetzt schnell“, sage ich mir. Ich fasse mir zwischen die Beine und … na toll, nur die in Kaffee getränkete Binde (entspannt den Damm und hilft dabei dass er sich dehnt). Zwei Wochen später erfahre ich, dass es doch das Köpfchen war bzw., die zusammen geschobene Kopfhaut.
Und wieder geht alles nochmal schneller… Ich muss nur noch wenige Male pressen und er schiebt sich durch.

Um 03 Uhr morgens hob ich unseren Sohn auf meinen Arm. Er ist da! 13Tage nach Entbindungstermin, erfüllte er mir meinen Wunsch. Eine entspannte, ruhige, geborgene und selbstbestimmte Geburt in unserem schöne, neuen zu Hause!

Die nächsten Augenblicke sind nicht in Worte zu fassen…

Er weint und liegt auf meiner Brust, ich soll mich setzten. Bekomme aber meine Beine nicht nach vorne, ich spüre sie gar nicht… aber irgendwie hat es dann doch geklappt…
Sebastian sitzt neben uns. Wir reden mit unserem Sohn, begrüßen ihn.

Mir fällt gerade auf, das ich unsere beiden Kater noch gar nicht erwähnt habe! Beide waren die ganze Zeit an meiner Seite und haben mich begleitet. Alex, unser alter Herr, lag bei mir am Kopf. Ich durfte mich auf ihn legen, als sei er ein Kissen, das mich stützt. Unser jüngerer, ängstlicher Kater lag unter dem Bett und beobachtete das Geschehen zwischen meinen Beinen.

Als unser Sohn etwa 10-15 min auf der Welt ist, klingelt es an der Tür…
„Hä? Wir haben doch noch niemanden Bescheid gegeben, oder?“ „Ach, nee! Die 2. Hebamme. Die hatte ich schon ganz vergessen…“

Ich, nein wir! kommen langsam im Jetzt und Hier an… Rebecca sagt zu mir: „Du musst jetzt erstmals duschen, dein Sohn hat dich angekackt.“ Ich muss lachen und denke mir „so viel zum Thema, >ich will Rebecca nicht ankacken!<“

Sebastian hat die Nabelschnur schon durchgeschnitten und nimmt unseren Sohn auf den Arm. Rebecca und ich gehen duschen…

Wow, ich bin baff! 4 Stunden, das war sehr schnell… die Hebammen verabschieden sich und wir liegen noch lange mit dem Kleinen und den Katern im Bett… Er ist so wundervoll!

Liebe Rebecca, ich kann es nur immer wieder, und wieder, und wieder sagen: „Danke!“
Es war eine wundervolle Hausgeburt und sicherer hätte ich mich nirgends fühlen können!

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