Trilogie Teil 3: Wochenbett im Krankenhaus

Über die Schwangerschaft und die Geburt meiner Zwillinge habe ich schon berichtet. Nun geht es weiter mit unser Zeit im Krankenhaus.

Meine Mädels wurden in der Nacht per Kaiserschnitt geboren und sind dann sofort auf die Neonatologie gekommen. Mein Mann durfte zu ihnen gehen und ich erholte mich etwas von den Strapazen und Nachwirkungen der Operation. Mein Mann kam zu den Mädchen als sie gerade in ihre neuen Betten einzogen. Kind 2 lag schon im Brutkasten und Kind 1 wurde gerade hineingelegt.

Kurze Zeit später durfte ich auch zu den Mädchen. Sie schoben mein Bett zwischen die Brutkästen und ich war einfach nur dankbar, dass beide Babys lebten. Ich erinnere mich sehr wenig an diese Momente. Es war einfach surreal, dass ich nun nicht mehr schwanger war und stattdessen meine Kleinen in diesen Kästen lagen und so fern waren wo sie doch eigentlich noch 7 Wochen in meinen Bauch gehört hätten…Emma und Laila

Ich wurde dann gefragt ob ich Kind 1 gerne auf die Brust haben möchte. Natürlich. Was für eine Frage. Ich war sehr überrascht von der Frage, weil ich damit nicht gerechnet habe, aber so dankbar, dass ich sie bei mir haben durfte. Es war das schönste Gefühl der Welt. Mir kommen die Tränen während ich das schreibe.
Die Schwester legte mir meine Kleine auf die Brust und deckte uns beide gut zu. Es war einfach toll. Viel gesehen habe ich von der Kleinen dann zwar nicht, aber ich spürte sie. Mehr war nicht nötig. Die zweite Schwester, die sich um Kind 2 kümmerte sagte dann, dass auch ihre Temperatur sich reguliert hat und sie gerne auch zu mir auf die Brust kann. Ich war überglücklich. Es war allerdings auch ein wenig beunruhigend da meine Kleine eine sehr große Maske auf dem Kopf hatte. Sie bekam CPAP und das half ihr beim Atmen. Ich weiß noch, dass es sehr laut war und man ihr Gesicht kaum sehen konnte. Trotzdem war es sehr schön. Endlich fühlte alles sich wieder halbwegs richtig an.

Insgesamt ging alles ziemlich schnell. Etwa eine Stunde nach der Geburt waren wir drei wieder vereint.

Mein Mann ging dann die Verwandtschaft per Telefon wecken und berichtete allen, dass wir nun Eltern von zwei gesunden Frühchen-Mädchen waren.

Ich weiß nicht mehr warum, aber irgendwann wurde ich zurück auf die Station gebracht.  Sobald meine Babys nicht mehr auf meiner Brust lagen merkte ich die Schmerzen der OP. Die waren auf einen Ruck ziemlich heftig. Ich bekam dann Schmerzmittel über den Tropf und die Schwester erklärte mir, dass es ganz normal sei, dass man den Schmerz weniger wahrnimmt solange man bei seinen Babys ist. Und tatsächlich stellte ich das Phänomen noch ein paar Male fest in den folgenden Tagen. Überhaupt fand ich die Schmerzen sehr anstrengend und die Nachwehen sehr unangenehm. 😦

Zurück auf der Station war ich in einem riesen Chaos. Die Station zog ausgerechnet an dem Tag um in eine modernisierte Station ein Stockwerk tiefer. So wurde mein Schrank geleert und lag auf meinem Bett und keine der Schwestern hatte so richtig Zeit. Es wäre z.B. auch ganz gut gewesen mal Milch zu pumpen oder Ähnliches. Ich hatte etwas Frühstück und telefonierte mit Freunden.
Einer meiner Bettnachbarinnen fiel auf, dass mein Urinbeutel fast voll war. Ich musste dann mal klingeln, damit sich jemand auch mal darum kümmert… Es war wirklich sehr chaotisch auf der Station. Ich wollte dann auch zu meinen Babys zurück. Auch das ging nicht, weil keiner Zeit hatte mich vorher noch umzuziehen… Alles komisch. Insgesamt verstrich der ganze Vormittag und dann wurde ich Mittags irgendwann endlich umgezogen auf die neue Station. Mein Mann war vormittags nach Hause gefahren um ein paar Sachen zu packen für das Familienzimmer und um sich frisch zu machen. Er kam dann schnellstmöglich zurück und ich schickte ihn zu den Mädchen. Ich glaube er durfte zusehen beim Baden und auch selbst wickeln. Das war sicher ein schöner Moment für ihn.

Nachdem ich umgezogen war in ein komplett neues schönes Elternzimmer zusammen mit meinem Mann, wollte ich den Rest der Zeit gerne bei meinen Babys verbringen. Ich hatte sie ganz viel auf der Brust. Das war sehr heilsam. Der Kopf von Kind 2 war leicht verformt durch die CPAP-Maske. Das war alles sehr erschreckend und unheimlich. Überall Geräte und Zugänge. Auf dem Körper klebten drei Sonden, die die Vitalfunktionen maßen und am Fuß klemmte ein Messgerät für die Sauerstoffversorgung im Blut. Uns wurde viel erklärt. Ich durfte übrigens auch gleich nach der Geburt beide Babys anlegen (noch in der Nacht bzw. am frühen Morgen). Das war allerdings sehr unbeholfen. Die Schwestern legten mir beide Babys an. Sie nahmen meine Brust in die Hand und stopften halfen mir sie den kleinen Mini-Babys in den Mund zu stecken. Eine Situation, die ich ehrlich gesagt als sehr entwürdigend empfand. Ich weiß, dass sie es gut gemeint haben, aber ich war ja das erste Mal Mutter. Hatte noch keine Stillerfahrungen und sollte nun zwei Mini-Babys stillen. Gleichzeitig. Ich war total überfordert beide zu halten und gleichzeitig zu wärmen und dann hatte noch jede der Schwestern eine meiner Brüste in der Hand… es ging gar nichts. Die Mädchen wurden unruhig und sicher auch weil ich die Situation einfach nur unangenehm fand. Ich hätte es schöner gefunden erstmal nur ein Baby stillen zu können. Das Zwillingsstillen ist wichtig (keine Frage), aber um das Stillen zu „lernen“, wäre das auf jeden Fall der bessere Weg gewesen. Zumindest für mich.

Ich habe noch gar nicht erwähnt wie klein meine Mini-Babys eigentlich waren. Kind 1 hatte 1,8 kg und Kind 2 hatte 1,4 kg. Sie waren beide etwas mehr als 40 cm klein. 😦

Ich durfte immer wieder mal Anlegen. Ich hatte dann auch die Kraft die Schwestern zu bitten mir nur ein Baby anzulegen. Das klappte dann besser, aber die Zwei waren zu schwach und müde um tatsächlich zu stillen und die Milch in Gang zu bringen. Ich durfte dann pumpen. So richtig gezeigt hat mir das keiner. Nach drei Tagen hatte ich immernoch keine Milch. Nicht sehr feinfühlig wurde ich drauf hingewiesen, dass nun die Babys Pre-Nahrung bekommen werden, wenn ich es eben nicht schaffe Milch zu produzieren. Mich machte das fertig. Die Schwestern auf der Wochenbettstation bekamen meine Verzweiflung mit und nun bekam ich Hilfe. Sie gaben mir auch irgendwelche Magen-Tropfen und dann floß bald endlich das weiße Gold und damit hätte ich noch zwei weitere Babys füttern können. Wenigstens eine Sache, die wirklich gut lief. 🙂 Es war so ein schönes Gefühl, dass meine Babys meine Milch bekamen und es war sehr interessant zu sehen wie sich die Farbe meiner Milch im Laufe der kommenden Tage veränderte. Die Pumperei fand ich aber überhaupt nicht angenehm und habe nach etwa 5-6 Wochen damit aufgehört und nie wieder gepumpt, weil ich es schrecklich fand. Meine Mädels haben dann endlich beide an der Brust gestillt. Sobald wir zu Hause waren, war es in kurzer Zeit geschafft beide auf die Brust umzugewöhnen. Kind 1 innerhalb von einer Woche. Kind 2 über Stillhütchen und dann ohne Hütchen innerhalb von etwa 3 Wochen.

Im Krankenhaus verbrachten wir insgesamt drei Wochen. Ich war sehr froh, dass es nicht 7 Wochen waren. Das stand in dem Buch über Frühchen, das ich gelesen hatte, dass man sich auf einen Krankenhausaufenthalt von etwa der Zeit einstellen soll, die die Kinder zu früh geboren wurden.
Nach zwei Wochen durfte Kind 1 ins Wärmebettchen und einen Tag später auch Kind 2 dazu. Endlich waren sie wieder vereint. Sie durften zusammen in einem Wärmebettchen liegen. Es wurde mir warm ums Herz sie endlich wieder zusammen zu sehen.CIMG4341
Auch im Brutkasten durften sie ein paar Stunden zusammen liegen, weil auf der Frühchenstation nicht genug Blaulichtlampen zur Verfügung standen, um die Neugeborenengelbsucht zu behandeln, so dass die Mädchen zusammen in einen Brutkasten gelegt wurden. Warum das nicht auch ohne die Behandlung ging, ist mir ein Rätsel. Ich hätte noch beharrlicher darauf bestehen sollen, denn es war einfach ein sehr herziger Anblick sie zusammenliegen zu sehen.

Im Rückblick fand ich unseren Krankenhausaufenthalt wirklich schlimm. Ich habe viel geweint und war verzweifelt. Mir fehlte die Kraft mich zu wehren. Mir fehlte die Zeit mich um mich zu kümmern. Ich verbrachte etwa 18 Stunden bei meinen Mädchen. Ich sang für sie. Las ihnen vor. Ich hatte sie auf der Brust oder hielt ihre Händchen. Streichelte. Die restlichen 6 Stunden verbrachte ich mit Essen, wenn ich es nicht vergaß und mit Schlafen. Ich pumpte die Milch bei den Mädchen, denn dann lief es am Besten. Nach 10 Tagen Wochenbettstation kam ich in ein kleines Appartment für Eltern, die bei ihren Kindern im Krankenhaus bleiben. Das war schön. Ich verbrachte dort aber nur Zeit, wenn ich schlief.

Die Mädchen nahmen gut zu. Mussten aber über die Magensonde ernährt werden, weil sie viel zu müde zum Stillen waren. Und die Gelbsuchtwerte waren nicht gut. Ansonsten ging es ihnen sehr gut. Kind 2 verbrachte nur 24 Stunden am CPAP und konnte dann alleine atmen. Immer wieder musste mal ein neuer Zugang gelegt werden oder eine neue Magensonde eingeführt.
Am Schlimmsten aber fand ich zwei Untersuchungen. Einmal war es der Hüftultraschall von Kind 2. Ich hatte darum gebeten bei allen Untersuchungen dabei zu seien. Sie war ein paar Tage alt. Wir kamen in einen Untersuchungsraum. Es war das erste Mal, dass ich sie überhaupt einfach so auf dem Arm hatte und trug. Sie bepullerte sich während der Untersuchung und lag dann klein und nackig im Kalten. Die Oberärztin machte einen Ultraschall. Dann machte die zweite Ärztin einen Ultraschall. Meine Kleine weinte dann und die Ärztin sagte ich kann mit ihr zurück zum Brutkasten gehen. Ich nahm mein 1,5 kg Baby und trug sie zurück zur Neo durch den gesammten Kinderkrankenhaus Wartebereich. Es war eine schreckliche Situation. Ich hatte Sorge, das meine Kleinste sich mit irgendwas ansteckt. Wenn man in die Neo wollte, dann musste man sich Hände und Arme desinfizieren, aber hier durfte ich sie an allen kranken Kindern vorbeitragen?
Erst später wurde mir bewusst, dass die Oberärztin der zweiten Ärztin erklärt hat wie man den Ultraschall macht. Mein Baby wurde also als Lehrmaterial benutzt gebraucht. Ich fand das unmöglich. Sie war die Kleinste auf der ganzen Station. Hatten die kein größeres fitteres Baby an dem die junge Ärztin das lernen kann? Ich war stinksauer. Leider hatte ich überhaupt keine Kraft mich zu wehren und meiner Wut Gehör zu verschaffen. 😦

Die zweite schlimme Untersuchung (von vielen Anderen natürlich) war ein Herzultraschall. Bei der U2 wurde ein Herzgeräusch festgestellt und mir wurde gesagt, dass sie einen Ultraschall machen werden. Ich habe ausdrücklich gesagt, dass ich dabei sein möchte.
Nun war ich quasi immer bei den Mädchen. Nur zum Essen und zum Schlafen verließ ich die Station. Wie schon erwähnt waren das ungefähr 6 von 24 Stunden, die ich nicht dort verbrachte… Ich ging also schlafen und wurde vom Telefon geweckt. Der Ultraschall würde jetzt gemacht werden, ob ich wirklich noch dabei sein will… ich müsste mich aber beeilen, denn die Ärztin hat mein Baby schon in der Hand.Was soll denn das? Ich zog mir schnell einen Bademantel über und lief durch das Krankenhaus zur Neo. Dort angekommen war der Schall schon fast fertig. Alles ok mit meinem Babyherzchen. So ein Glück!
Aber wäre es denn so schwer gewesen den Ultraschall zu machen, wenn ich nicht schlafe? Oder mir wenigstens die Möglichkeit zu geben tatsächlich dabei zu sein? Ich meine ich bin ja nur die Mutter.
Es macht mich noch immer ganz wütend, wenn ich dran denke.

Ich fand unseren Aufenthalt im Krankenhaus sehr stressig und beunruhigend. Ich war so froh, dass wir nach genau drei Wochen nach Hause durften. Ich habe allerdings auch ein bißchen gedrängelt, dass ich gehen möchte. Zu Hause hatte ich endlich Ruhe und Zeit meine Mädchen an das Stillen zu gewöhnen und es war einfach schön. DSC03334Um ihnen das Ankommen zu Hause zu erleichtern, habe ich sie gleich erstmal nackelig auf meine Brust gelegt, das kannten sie ja aus dem Krankenhaus.

Im Nachhinein hatten wir eine ganz gute Betreuung im Krankenhaus. Ich habe schon viel Schlimmeres gehört, aber optimal war es nicht.
Für mich war übrigens wenig Zeit. Ich hatte kaum Zeit über Schmerzen und Heilung meiner Narbe nachzudenken. Als wir dann zu Hause waren und die Hebamme regelmäßig kam, konnte ich mich endlich auch mal ein bißchen auf mich konzentrieren und sie half mir natürlich die Zwillinge an die Brust zu bekommen.
Ein großes Danke an meine damalige Hebamme Katja. 🙂

9 Gedanken zu “Trilogie Teil 3: Wochenbett im Krankenhaus

  1. L schreibt:

    Gar nicht. Ich habe heute noch Alpträume von dem Umgang dort und bin unendlich dankbar, dass ich über meine Hebamme sofort einen Platz bei einer Psychotherapeutin bekam, die uns in der Zeit begleitete. Ich bewundere alle, die dort arbeiten und Mensch bleiben – sie sind Perlen für die Kinder.

    Gefällt 1 Person

    • Sehr wahre Worte.

      Zum Glück ist es mit der Zeit verblasst und ich konnte einiges aufarbeiten, aber manche Erinnerungen gehen mir immernoch sehr nahe. 😢 Obwohl es nun schon 9 Jahre her ist und wir auch nur 3 Wochen im KH waren.

      Magst Du erzählen warum ihr 6 Monate im KH bleiben musstet?

      Gefällt mir

  2. L. schreibt:

    Platt gesagt, weil es notwendig war und wir nach der Zeit die Intensivstation mit nachause nehmen konnten. Die Kinder waren zwar zur Geburt gesund, aber eben viel zu früh und dann ist verdammt viel schief gelaufen.

    Gefällt 1 Person

  3. L schreibt:

    Ja, eben wegen der Anekdoten von der Intensivstation (oder meintest Du noch andere?) habe ich den Kommentar geschrieben… bei uns war es ganz ähnlich – ich habe den Glauben in die meisten medizinischen Fachleute verloren, weil ich gemerkt habe, dass sie auch nur mit Wasser kochen, „Humanmechaniker“ sind, sich aber oft für Gott halten und es per Gesetz auch sind. Den Kindern wurde so viel, auch wirklich unnötige, Gewalt angetan… Und das zusammen mit einer Kultur von Intransparenz, „Wirtschaftlichkeit“, Arbeitsüberlastung, persönlichen Empfindlichkeiten, fragwürdiger Ethik und Fehlervertuschen hat bei uns Probleme geschaffen, die nicht hätten sein müssen und dürfen.

    Gefällt 1 Person

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