Vertrauenswürdig oder nicht?

Ich bin heute mit dem Rad gefahren. Die Jüngste hinten im Kindersitz. Am Bäcker wollte ich für Sie ein Dinkelbrötchen kaufen und hatte es etwas eilig den Zug zu schaffen. Sie einfach mit dem Rad stehen zu lassen geht nicht. Das ist mir zu wackelig und sie rauszunehmen aus dem Sitz, hätte mir zu lange gedauert… Ich stand also vor dem Laden und überlegte kurz ob ich noch genug Zeit habe oder es lieber lasse, da bietet mir ein Mann an das Rad einen Moment zu halten. Ich nehme dankbar an und hole schnell das Brötchen.

Nun denke ich schon den ganzen Tag: Was wenn er einfach mit meinem Kind losgefahren wäre? Ich hätte ja schlecht hinterher laufen können… Warum war ich denn so vertrauensselig? Ich bin doch sonst so skeptisch. Sehr komisch. Offensichtlich hat mich meine Menschenkenntnis nicht im Stich gelassen, denn er war ja einfach nur freundlich, aber im Nachhinein bin ich trotzdem etwas enttäusch von mir. 😦

Alles zutrauen

Der Schlüssel meiner Erziehung (ich mag dieses Wort nicht) ist Vertrauen. Ich versuche meinen Kindern zu vertrauen und traue ihnen viel zu.
Oft bin ich erstmal der Beobachter bevor ich mich einbringe oder eingreife.

Zum Beispiel: meine Großen habe mithelfen lassen wenn Gemüse geschnibbelt werden musste. Dazu bekamen sie (damals 2-3 Jahre alt) natürlich ein scharfes Messer in die Hand. Ich habe erklärt und vertraut.

Anderes Beispiel. Wenn sie irgendwo raufklettern wollen, dann dürfen sie das. Ich stehe daneben und beobachte. Natürlich kriege ich manchmal den ein oder anderen Adrenalinstoß und es gab auch schon Situationen wo ich dann klar sagen musste, dass ich das jetzt nicht mehr möchte. Ich sage aber nicht „Du fällst da runter!“ sondern versuche deutlich zu machen, dass das meine Angst ist und nicht ihre. Aber in der Regel ist meine Schmerzgrenze da sehr niedrig.

Meine Töchter durften auch von Anfang an die Kleinste auf den Arm nehmen. Ich habe einfach vertraut, dass ihr Innerstes ihnen schon den richtigen Umgang zeigen wird.

Und das sind nur ein paar Beispiele.

Meine Jüngste überrascht mich immer wieder und zeigt mir, dass es gut ist ihr alles zuzutrauen.
Sie versteht bereits sehr viel, wenn nicht sogar alles was ich sage. Sie ist 15 Monate alt und wenn ich sage „Hol Dir ein Taschentuch und putz Dir die Nase.“ dann macht sie das. Und sie bringt es auch in den Müll danach. Ich stelle ihr öfters „Aufgaben“ bei denen ich nicht sicher bin ob sie die schon kann und sie überrascht mich dann öfters mit ihrem Können und Verstand.

Diese Zeit mit den Großen ist nun schon so lange her (gefühlte Ewigkeiten), aber ich erinnere mich nicht, dass ich diese Aha-Momente bei ihnen hatte. Entweder meine Jüngste ist hochbegabt oder (das Wahrscheinlichere) ich habe es einfach nicht bemerkt bei den Großen. Ich war das erste Mal Mutter und dann auch gleich von zwei Babys. Ich bin nicht auf die Idee gekommen sie Sachen zu fragen von denen ich dachte, dass sie die wohl noch nicht können.
Das finde ich schade, aber es ist sicher ganz normal.
Daher trotzdem mein Appell vor allem an alle Erstlingsmamas: Traut Euren Kindern alles zu. Ich meine wirklich ALLES.