Gastbeitrag: Abhängig von meinem Mann?

Heute habe ich einen Gastbeitrag von Heike (vom Blog Emma und Lukas) für Euch. 

Ich kann mir vorstellen, dass es vielen Müttern so geht oder so ging. Heike wünscht sich gerne auch Kommentare von Euch. Vielleicht habt ihr Ideen oder Vorschläge für sie?

Los geht’s…

Ich bin eine verheiratete Frau und Mama von zwei Kindern. Lukas besucht die Schule, Emma den Kindergarten und ich arbeite in Teilzeit. Mein Mann hat eine Vollzeitstelle und wir kommen in allem meist ganz gut über die Runden. Also im Prinzip eine ganz normale Durchschnittsfamilie.

Und doch bin ich oft nicht glücklich.

Die Kinder sind wunderbar, ich spiele sehr gern mit ihnen, höre ihnen zu, zeige ihnen Dinge, lasse sie selbst entdecken und bringe ihnen bei was ich weiß. Mein Mann zeigt mir, dass er mich liebt und ich fühle mich sehr geborgen und sicher bei ihm. Und doch bleibt die Angst, dass alles von einem Moment auf den nächsten vorbei sein könnte. In einer Beziehung vor ihm wurde ich betrogen, belogen und ausgenutzt. Im Nachhinein denke ich, dass es deutliche Signale gab. Aber ich war einfach zu naiv, zu leichtgläubig und hatte zu wenig Selbstvertrauen um es zu sehen.

Was, wenn ich wieder so gutgläubig bin, was wenn ich ihm irgendwann nicht mehr ausreiche, wenn er mich nicht mehr so toll findet, wie jetzt. Was, wenn er mich ebenso betrügen und ausnutzen würde?
Mein Mann kennt meine Ängste, versucht sie mir zu nehmen und zeigt mir, dass ich das Wichtigste für ihn bin. Und ich? Ich glaube ihm, ich bin mir sicher, dass er es so meint, ich spüre deutlich, dass er mich liebt. Doch an fiesen Tagen schleicht sich wieder die Unsicherheit in meinen Kopf. Ich spinne Situationen in meinem Kopf zusammen und je länger ich das tue, umso realer wird es. Und es bleibt eine ganze Weile im Kopf. Ich kann nichts dagegen tun.

Ich liebe meinen Mann so sehr, dass ich alles nach ihm ausrichte. Wenn er früher von der Arbeit kommt, dann mache ich nichts aus, gehe eben nicht, wie geplant, einkaufen. Er verlangt das natürlich nicht, aber er weiß auch, dass ich einfach nicht anders kann. Ich fahre nicht allein ins Einkaufszentrum, wenn ich weiß, dass er etwas früher nach Hause kommt. Selbst, wenn ich dadurch Zeit „verschwende“. Wir fahren am Wochenende gemeinsam einkaufen, obwohl es sehr viel effektiver wäre, wenn ich in dieser Zeit den Haushalt mache. Ich backe ihm Kuchen, weil ich weiß, dass er ihn mag, obwohl ich eigentlich keine Zeit dazu habe. Und ich bin aufgrund meines Verhaltens überzeugt davon mich viel zu abhängig von ihm gemacht zu haben. Ich kann nicht ohne ihn und ich habe Angst, wenn er mit dem Auto unterwegs ist und ein Unfall auf seiner Strecke im Radio gemeldet wird.

Ich habe keine richtigen Freunde, lange Zeit in einem anderen Bundesland, jeder gründete irgendwo eine eigene Familie und wenn man nach beinahe 10 Jahren zurückkommt, dann ist eben keiner mehr da. Schulfreunde sind zu Bekannten geworden. Mamas und Papas von Lukas‘ Schulfreunden oder Emmas Kindergartenfreunden sind ebenfalls nur Bekannte. Man unterhält sich auf Spielplätzen, bei Schulfesten oder beim Kindergarten, wenn man die Kinder abholt. Wahrscheinlich spielt diese Situation eine große Rolle in meiner Abhängigkeit von meinem Mann, ebenso wahrscheinlich die Tatsache, dass diverse Beziehungsversuche zwischen uns während der Schulzeit scheiterten.

Ich bekam mal den Rat, dass man sich eben nicht so verhalten sollte, wie ich es tue. Man stellte mir die Frage, was denn sei, wenn er mal nicht mehr da sei. Sofort flogen Bilder vor meinen Augen von schrecklichen Unfällen, Krankheiten oder Scheidungen. An so etwas will ich gar nicht denken, aber wenn ich ganz ehrlich zu mir bin, weiß ich, dass ich damit nicht klar käme. Mein Lebensmittelpunkt wäre verschwunden. Und das ist dieser Teufelskreis, denn genau diese Erkenntnis, dass ich ohne ihn nicht sein kann, verstärkt die Angst, dass es dazu kommen könnte.

Doch wie kommt man heraus, aus so einem Teufelskreis?

Mein Mann hilft mir, er nimmt mich fest in den Arm, wenn er Zweifel sieht, er schreibt SMS, wenn er auf der Baustelle angekommen ist. Ich weiß, dass er es ernst meint, ich vertraue ihm und ich glaube an seine Liebe. Und ich hoffe, dass es ihm nicht irgendwann zu viel wird.
Ich weiß, dass ich ganz bewusst Zeit ohne ihn verbringen muss. Nicht nur, wenn es wegen Arbeit oder sonstigem gar nicht anders geht. Ich brauche den Mut, um mit Bekannten treffen auszumachen ohne das Gefühl zu haben, dass ich störe. Ich muss lernen Nachmittage zu genießen, ohne ständig aufs Handy zu gucken, ob er schon geschrieben hat wann er Feierabend macht.

Aber vor allem anderen muss ich lernen, meine Ängste in den Griff zu kriegen. Und auch, wenn ich momentan nicht weiß wie, so hoffe ich doch, dass ich irgendwann einfach nur ohne Angst genießen kann.

2 Gedanken zu “Gastbeitrag: Abhängig von meinem Mann?

  1. Mia schreibt:

    Liebe Heike, ich spüre ganz viel Unsicherheit, wenn ich so deinen Bericht lese. Die Angst verlassen zu werden und alleine zu sein ist bei vielen Menschen präsent. Deshalb meine Frage: hast du schon einmal ganz alleine gelebt? Auch wenn nicht, denke ich, ist das der Dreh- und Angelpunkunt deiner Angst. Meiner Meinung nach ist es tatsächlich nicht bekömmlich, sich auf eine Person ( also du dich auf deinen Mann) zu fixieren. Da du halbtags arbeitest bist du bedingt finanziell unabhängig. Das ist schon eine passable Basis für Unabhängigkeit. Nun solltest du anfangen, dich innerlich unabhängig zu machen. Das bedeutet nicht, dass du alleine leben sollst, sondern, dass du innere Stärke entwickelst. Manchmal ist es ratsam, sich dafür “ professionelle “ Hilfe zu holen. Vielleicht gibt es ein Thema aus deiner Kinder- und Jugendzeit, das bearbeitet werden möchte. Oftmals ist uns das gar nicht bewusst. Mir hat ebenfalls einmal jemand etwas sehr kluges gesagt: die einzige Person, die dich glücklich, zufrieden und stolz machen kann, bist einzig und alleine du. Ich habe vor kurzem eine Kolumne über das alleine sein geschrieben. Vielleicht hast du Lust sie zu lesen. Sie lautet “ Ich höre, NICHTS“ und ist auf meinem Blog zu finden. http://www.mia-bruckmann.de. Ich wünsche dir Mut und Kraft, den Schritt zu deiner inneren Stärke zu beschreiten!

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    • emmaundlukas schreibt:

      Hallo, ich danke dir für deinen Kommentar. Er hat mich sehr zum Nachdenken gebracht. Ich habe tatsächlich nie wirklich allein gelebt. Elternhaus, 2 Monate in einem Zimmer im Ausbildungshotel, WG und dann mit damaligem Freund und nach kurzer Zeit allein (mit Sohn) mit meinem heutigen Mann. Wahrscheinlich habe ich es nie gelernt auch mal allein zu sein. Ich werde deine Kolumne gern mal lesen und weiter darüber nachdenken, wie ich meine Situation ändern könnte.
      Liebe Grüße, Heike

      Gefällt 1 Person

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