9. Anekdote

Es ist soweit auch die letzten zwei Erinnerungen aufzuarbeiten. Heute erzähle ich über den Hüftultraschall von Kind 2. Für alle, die es noch nicht wissen, meine Zwillinge sind 7 Wochen zu früh geboren. Die anderen Anekdoten könnt ihr hier nachlesen.

Kind 2 war unterversorgt im Mutterleib und kam mit 1,5kg auf die Welt. Sie ist unser Sorgenkind gewesen. Schon vor der Geburt und auch nach der Geburt machten wir uns große Sorgen um sie.
Nun stand ihr (regurlärer) Hüftultraschall an. Ich durfte dabei sein. Die Ärztin nahm mein Kind mit und trug sie durch den Wartebereich der Kinderklinik in einen Untersuchungsraum. In der Kinderklinik war an diesem Tag ein Weihnachtsbasar und es war sehr voll. Ich hatte große Angst vor Ansteckung, die ein Frühchen sehr schwächen könnte. Um die Neonatologie zu betreten musste man sich desinfizieren, aber hier war mein Mini-Baby quasi allem „frei ausgesetzt“. Später sah ich, dass es durchaus mobile Ultraschallgeräte gibt. Warum ein solches Gerät hier nicht zum Einsatz kam, weiß ich nicht. Eine der vielen Fragen, die ich mir stelle, wenn ich an diese Untersuchung zurückdenke.
Meine Kleine war in der Zeit die Kleinste/Leichteste auf der Station. So lag sie nun auf dem Untersuchungstisch. Unten ohne. Das kalte Gel mit dem Ultraschallkopf auf ihrer Hüfte. Sie bepullerte sich und meckerte. Ich versuchte sie zu trösten, aber hochnehmen konnte ich sie nicht, denn sie wurde untersucht. Die Oberärztin machte den Ultraschall während sie einer zweiten Ärztin erklärte was sie tut. Nicht etwa mir…

Als sie fertig war übergab die den Ultraschallkopf ihrer Kollegin und die machte denselben Ultraschall nochmal. Meine Kleine bepullerte sich ein zweites Mal und weinte inzwischen recht heftig. Als die Damen endlich fertig waren, durfte ich mein Kind hochnehmen und dann wurde ich mit meinem Baby zurück zur Neo geschickt. Keiner hat mir etwas erklärt und ich wurde aus dem Raum geschickt während sich die Frauen noch unterhielten. In meiner Erinnerung war es auch so ein Abwinken ala „Sie können jetzt gehen, wir brauchen Sie hier nicht mehr“. Es war das erste Mal, dass ich mein Kind ohne Kabel halten und tragen durfte. Ohne Aufsicht. So als wäre ICH wirklich ihre Mama… Frei zu gehen wohin ich will… Ihr könnt Euch dieses Gefühl vielleicht gar nicht vorstellen.

Ich bin natürlich schnell mit ihr zurück zur Station. Ich drängelte mich mit meinem Frühchen an den Menschen vorbei, die zum Weihnachtsbasar gekommen waren. Eine surreale Situation. Ich hatte große Angst um mein Baby und es wurde mir bewußt was da gerade passiert war. Die Oberärztin hatte mein Baby „benutzt“ um der noch lernenden Ärztin den Ultraschall beizubringen.

Es macht mich heute noch unglaublich wütend. Ich könnte schreien vor Wut. Ausgerechnet am kleinsten Baby der Station muss die nun den Ultraschall lernen? Warum wird man als Elternteil darüber nicht wenigstens informiert geschweige denn um Erlaubnis gebeten? Was soll denn das eigentlich?
Diese Hilflosigkeit und Ohnmacht… diese Übermacht der Ärzte und Schwestern ist sehr präsent und es ist einfach nur schrecklich für die Eltern.

Meiner Kleinen ist nichts passiert, aber mit mir hat dieses Erlebnis viel gemacht. Dieses Erlebnis hat mich wirklich fertig gemacht. Zusammen mit den anderen Anekdoten führt es dazu, dass ich nicht gerne an unsere Zeit im Krankenhaus zurückdenke.

Aber das weiß sicher jeder, der alle Anekdoten gelesen hat.

 

 

5 Gedanken zu “9. Anekdote

  1. Ich kann deine Gefühle so sehr nachvollziehen! -auch ich hatte den Eindruck, dass ich als Mutter eine völlige Nebensache war, Hauptsache ich lieferte die Muttermilch. Ich wurde auch nicht informiert über den Zustand meiner beiden Süssen wenn ich morgens kam. Eigentlich ein Unding, denn das ist absolut normal wenn man sonst einen nahen Angehörigen besucht. Hat man ältere Kinder ist der Unterschied zur Neo noch frappierender. Die Schwestern machen nämlich absolut nichts ohne mich zu fragen. Aber auf der Neo fühlte ich mich total entmündigt. Es ist jetzt genau 6 Jahre her, und immer noch present.

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  2. Da muss ich ja weinen. Wie hast du das ausgehalten? Ich bin da so weichgespült. Diese kleinen Wesen gehören zur Mama und brauchen so viel Geborgenheit. Und eine frisch gebackene Mama braucht das eigentlich auch. Die Gefühle fahren doch Achterbahn. Dann noch mit zwei Frühchen… Krankenhäuser haben natürlich ihre Berechtigung, aber ich finde auch allzu oft hört man so herzlose Geschichten. Statt einzusparen und damit unter Umständen Folgeschäden hervorzubringen, sollten sie mal wieder mehr Personal einstellen und sich um die Menschen richtig kümmern. Dann wird man auch schneller wieder fit. Nachträglich fühl dich gedrückt und ein bisschen umsorgt.

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    • Ja schade dass es manchmal nicht mehr um den Menschen geht sondern man nur einer von vielen tausend Patienten ist. Und dass einem die Rechte als Elternteil so abgesprochen werden finde ich sehr erniedrigend.

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