Willkommen 2016

Wir sind gemütlich rüber gerutscht. Nur wir Fünf. Kein Besuch. Keine Party. Und trotzdem war es ein schöner Abend. Ein besonderer Abend für die großen Mädchen, denn sie durften wach bleiben bis 1:30 Uhr und wir haben zum ersten Mal in ihrem Leben auf der Wii Mario Party gespielt.

Ich glaube das war wohl das Beste am ganzen Abend für sie. Ich selbst war einfach nur müde… Seitdem ich Kinder habe bin ich eigentlich an Silvester einfach nur müde. 😀 Oder bin ich immer einfach nur müde? Egal.

Es war angenehm. Wir haben auch ein bisschen Feuerwerk gemacht. Etwa 40€ haben wir dafür ausgegeben.

Nun ist das neue Jahr da. Ich habe mal in meinen Artikel vom letzten Jahr reingeschaut und festgestellt, dass ich eigentlich gar nicht so daneben lag. Nur das mit dem Nutzgarten hat maximal zu 20% meiner Wunschvorstellung geklappt. Einen Imkereikurs habe ich nicht gegeben dafür aber die Schulklasse dagehabt.

Professionelle Weiterbildung habe ich nicht mehr geschafft vor meiner Rückkehr in den Beruf, aber dafür habe ich nochmal intensiv die Zeit mit meinen Töchtern genossen. (Zumindest meistens. :D)

Und Stricken habe ich gelernt.

Was habe ich mir für 2016 vorgenommen?

Mehr Bewegung vor allem auch im Alltag. Seitdem ich wieder arbeite, sitze ich wieder mehr und habe auch zugenommen.

Ich will mehr raus mit den Kindern. Ich bin (viel zu) gerne drinnen, aber ich weiß auch, dass uns das Draußen gut tut und oft viel zu kurz kommt.

Mein Nutzgarten bleibt ein Ziel. Vielleicht kann ich von 20 auf 50% erhöhen. 😀

Ich bin gespannt, was ich im nächsten Jahr dazu schreiben werde. Ich freue mich, wenn ihr mich auch in 2016 weiter begleitet hier auf dem Blog, auf Facebook, bei Instagram und/oder Twitter.

Liebe Grüße, Anita

Weihnachten und Jahresrückblick (2015)

Letztes Jahr Weihnachten findet ihr hier.

Weihnachten 2015

Dieses Jahr haben wir wieder die ganze Familie zu Heiligabend bei uns gehabt. Leider sind meine Großeltern nicht gekommen, dafür hat mein Bruder seine Freundin mitgebracht. Und meine liebe Schwiegermutter war leider krank und konnte auch nicht kommen.

Wir haben eigentlich jedes Jahr die Familie um uns. Das ist schön. Ich mag das gerne so. Wenn ich anderen davon erzähle, dann sind sie immer sehr überrascht und fragen, ob das nicht zu anstrengend sei. Ich finde nicht. Jeder packt ein bisschen mit an. Jeder bringt was mit und gemeinsam genießen wir den Nachmittag/Abend zusammen.

Mein Mann hat sich dieses Jahr als Weihnachtsmann verkleidet. Die Großen haben ihn erkannt, aber er leugnet, dass er das gewesen ist und behauptet auf der Toilette eingeschlafen zu sein… Ich fürchte die Zeit des Weihnachtsmannzaubers ist einfach vorbei und wir werden ihnen die Wahrheit sagen müssen.

Die Bescherung hat mir dieses Jahr nicht so gefallen. Ich überlege schon wie ich das im nächsten Jahr anders gestalten kann. Die großen Mädchen haben ihre Geschenke eins nach dem anderen aufgerissen. Wie im Film. Hätte auch eine Szene mit fliegendem Geschenkpapier seien können und rotierenden Armen… 

Nach dem Auspacken kam das Vergleichen. „Was hast Du?“ „Warum hast Du sowas und ich nicht?“

Nach dem Vergleichen stürzten sie sich auf ihre kleine Schwester und nötigten sie die Geschenke im selben Tempo auszupacken. Die hatte bis dahin alles ganz in Ruhe ausgepackt und ausgiebig angesehen. Ich übertreibe hier etwas, aber so ähnlich ist es abgelaufen und das hat mir überhaupt nicht gefallen. Und ich bin dann auch dazwischen gegangen. Sicherlich ist das auch ein Stück weit normal in dem Alter, aber ich fand die Dankbarkeit und Besinnlichkeit blieb auf der Strecke. Ich muss das mit den Mädchen nochmal besprechen bei Gelegenheit und habe mir eine Erinnerung gemacht für nächstes Jahr. Vielleicht gibt es ein schönes Ritual mit dem wir die Geschenke „in Ruhe“ öffnen können.

Was gab es zu Essen?

Mein Mann hatte einen leckeren Rohkostkuchen gemacht und die Schokomuffins.   
 

Am Abend gab es Kartoffelsalat und Würstchen. Meine Schwiegermutter hatte zwei Salate gemacht. Einen mit Mayo und Einen ohne. Ich habe auch Würstchen gegessen (und die Jüngste hat es gleich mit Ausschlag quittiert).

  
Den Nachtisch hat meine Mutter mitgebracht. Für mich und die Jüngste sogar eine Variante vegan und ohne Zucker. 👍🏻 Es freut mich, dass immer öfters auch an uns gedacht wird, obwohl ich das nicht erwarte.

Der Abend war wie im Flug vorbei und als alle gegangen waren und die Kinder im Bett blieb nicht mehr viel Zeit den Abend noch gemütlich ausklingen zu lassen. Irgendwie waren wir auch sehr geschafft von den Vorbereitungen und weil die Mädchen in den zwei Wochen vor Weihnachten abwechselnd krank waren, kam auch keine entspannte Vorweihnachtsstimmung auf.

Am 1. Feiertag waren wir bei den Schwiegereltern und den zweiten hatten wir für uns.

Im Rückblick war es allerdings eins der ungemütlichsten Weihnachtsfeste seitdem wir Kinder haben. Wir versuchen noch auszuwerten warum.

Kleiner Jahresrückblick 2015

  
Ich kann mich nicht beschweren über 2015. Es war ein gutes Jahr. Keiner war ernsthaft krank und auch die Migräne von Kind 2 haben wir in den Griff kriegen können.

Die Bienen haben mich auch halbwegs verschont und ich bin gut über den Winter mit ihnen gekommen. Darüber hab ich ja schon berichtet. Es war also auch ein gutes Jahr für mich als Imkerin.

Der Sommer war schön. Wir waren viel am Wasser. Viel draußen.

Ich habe meine Elternzeit beendet und bin wieder in meinen Beruf zurückgekehrt. Das war eine große Umstellung. Darüber muss ich an anderer Stelle mal berichten. Ich fühle mich inzwischen wohl damit und freue mich, dass es sich nicht verändert hat. Ich kann Familie und Beruf wirklich ziemlich gut miteinander verbinden.

Die Schule ist nicht mehr ganz so ungewohnt für die Mädchen. Es gibt weniger Stress mit allem was die Schule betrifft. Das ist angenehm. Wir sind langsam angekommen kann man sagen.

Der Blog macht mir viel Freude. Er ist ordentlich in Schwung gekommen. Ich bin aber noch ein eher kleines Licht am Blogsternenhimmel. 😀

Ich freue mich auf 2016 und bin gespannt was es so für uns bereit hält.

Guten Rutsch!

  

Mein 3. Bienenjahr (2015)

Mit 2 Völkern bin ich in den Winter (2014/2015) gegangen und sie haben es auch beide gut über den Winter geschafft. Der Winter war nicht sehr kalt und es gab wenig Schnee.

  
Von den zwei Völkern machte ich einen Ableger. Das bedeutet, dass ich einen Teil der Bienen mit Brut in einen zweiten Kasten gebe. Diese Bienen ziehen dann aus ihrer Brut eine neue Königin und sind dann ein neues Volk. Nun hatte ich also drei Völker.

Bei allen drei Völkern tauschte ich die Königin aus. Und eine zusätzliche Königin gab ich einer Freundin für ihre Bienenkiste. Dazu fegte ich ein paar von meinen Bienen, so dass auch daraus ein neues Volk entstand.

  
Leider hauten die frechen Damen einfach ab und wir mussten sie wieder einfangen.

   
 
Hier seht ihr sie in einem Eimer in den ich den Schwarm gefegt habe. Sie sind dann noch ein zweites Mal ausgezogen und meine Freundin hat sie dann alleine wieder eingefangen. Seitdem wohnen sie bei ihr und wir hoffen beide, dass sie gut über den Winter kommen.

   
 
Hier seht ihr wie die Bienen um den kleinen Kasten mit der Königin drumrum gebaut haben. Das ging wirklich schnell. Fleißig sind sie ja immer.

 

Eine meiner neuen Königinnen.

 
Ich musste noch einen Schwarm beim Nachbarn einfangen. Vermutlich von mir. Ich hab nicht aufgepasst. Habe den Schwarm dann zu einem meiner Völker gesetzt bei dem die Königin gestorben war. Glück in Unglück. Ohne den Schwarm wäre es schwierig gewesen mit dem weisellosen Volk.

  
  

Ein befreundeter Imker hatte mir auch noch einen Ableger gegeben und dieser Ableger ist geschwärmt. Die Königin hatte nicht genug Platz. Sie wollte nicht auf umziehen auf meine Rähmchen sondern lieber auf den alten weiter brüten und da wurde es dann eng.

Am Ende hatte ich also vier Völker, die nun überwintern und hoffentlich alle im Frühling fliegen werden.

   
 Die Honigernte war auch ganz gut. Insgesamt haben wir knapp 35 kg geerntet von zwei Völkern. Das ist eine gute Ausbeute. Der Honig ist schon verkauft. Einen großen Teil davon verbrauchen wir selbst. Den Rest verkaufe oder verschenke ich.

So sieht’s aus. Drückt uns mal die Daumen, dass es alle Bienen über den Winter schaffen. 😉

10. Anekdote

Wir ziehen aus. Aus dem Krankenhaus. Heute erzähle ich Euch vom Auszug und der Heimkehr nach Hause.

Meine Zwillinge wurden mit 1,8 und 1,5 kg geboren. Nach 2 Wochen durfte die Große vom Inkubator ins Wärmebett umziehen. Das war ein Erfolg, denn das Wärmebett bedeutete, dass ich sie alleine hochnehmen durfte (ohne Erlaubnis der Schwestern) und das Wärmebett bedeutete auch, dass wir unserem Ziel nach Hause zu gehen etwas näher rückten.

Zum ersten Mal in ihrem Leben bekam Kind 1 also etwas angezogen und lag nun in einem kleinen Bett. Ungewohnt. Am nächsten Tag durfte auch Kind 2 ins Wärmebett ziehen und dann lagen sie endlich wieder zusammen. Eine Woche lang verbrachten wir so und hofften und bangten, dass die Bilirubinwerte unter den Grenzwert rutschen, damit wir nach Hause dürfen. Und Trinken mussten sie natürlich ausreichend alleine ohne mit der Magensonde nachgefüttert zu werden.

Wie die Große plötzlich unverhofft eine Mahlzeit an meiner Brust trank habe ich schon berichtet. Das war kurz vor unser Entlassung. Kind 1 hatte die 2 kg Gewicht geknackt und trank gut und ihre Bilirubinwerte waren in Ordnung. Sie wurde entlassen und als Begleitkind für ihre Zwillingsschwester aufgenommen. Das war ein schöner Moment, aber für mich sehr beunruhigend, denn plötzlich lag mein Baby „unbeaufsichtigt“ mit im Wärmebett auf der Station. Die Schwestern waren nicht mehr für sie zuständig sondern ich. Man versicherte mir zwar, dass man sich um sie kümmert, wenn sie weint, aber ich fühlte mich überhaupt nicht wohl mit dieser Situation. Ich hatte bereits während der ganzen Zeit dort unter anderem die Sorge, dass einer meine Babys klauen könnte. Insbesondere nachdem sie ins Wärmebett gezogen waren. Natürlich waren diese Ängste irrational, aber für mich waren sie real. Nun da Kind 1 nicht mehr an der Überwachung hing, stieg diese Angst nochmal deutlich an. Und was ist wenn sie plötzlich aufhört zu atmen? Keiner kriegt das mit. 😦 Was wenn sie weint und die Schwestern es im Schwesternzimmer nicht hören?

Die Schwestern versuchten mich zu beruhigen und meinten nur, dass zu Hause ja auch keine Geräte und Überwachung ans Kind angeschlossen wären, aber der Vergleich hinkte etwas, denn zu Hause war ich für meine Kinder verantwortlich und wäre bei ihnen. So eine Neo Schwester hat nachts 4-8 Babys zu „bewachen“. Das ist ein ganz klarer Unterschied. Fand ich.

Ich hatte tatsächlich in Erwägung gezogen Kind 1 mit mir ins Bett zu nehmen auf mein Zimmer, aber ich wollte sie auch nicht überfordern mit Eindrücken und Kind 2 alleine zu lassen war mir auch komisch… Zum Glück waren die Werte von Kind 2 am nächsten Tag schon besser, so dass ich darauf drängte nach Hause zu dürfen. Kind 2 hatte zu dem Zeitpunkt gerade mal 1,7 kg erreicht, aber sie machte sich gut und trank ihre Mahlzeiten am Finger auch schon fast komplett alleine.

Auf mein Drängeln hin stimmte der Arzt der Entlassung zu allerdings mit der Auflage, dass wir in zwei Tagen zur Kontrolle kommen müssen, um sicher zu gehen, dass der Bilirubinwert nicht wieder über die Grenze gestiegen ist. Ich war so froh. Es war schon später Nachmittag an dem Tag. Mein Mann hatte seinen letzten Arbeitstag und war gar nicht so begeistert mich und die Babys noch aus dem Krankenhaus holen zu müssen, aber ich wollte weg. Ich hatte so die Nase voll von dem Krankenhaus und allem was dazu gehörte. Er holte die Sitze und brachte Kleidung mit. Wir räumten das Zimmer aus in dem ich nun eine Weile gewohnt hatte und dann holten wir die Babys. Es war sehr ungewohnt. Sehr neu und dann aber auch sehr vertraut und schön.

Die Milch musste auch mit. Dafür hatten wir eine Kühltasche dabei. Ich hatte ziemlich viel Milch eingefroren im Krankenhaus.

Die Heimfahrt war ungewöhnlich für uns alle. Die Mädchen weinten. Sie waren nie gute Autofahrerinnen als Babys. Das wurde erst mit 2-3 Jahren besser. Jedenfalls wollte sie das gleich bei ihrer ersten Autofahrt klarstellen. 🙂 Wir mussten anhalten und sie beruhigen.

Zu Hause angekommen kuschelten wir erstmal ausgiebig und ich nahm sie beide nackelig auf meinen nackten Oberkörper damit sie erstmal eine vertraute Umgebung hatten. Das tat ihnen gut und mir auch. Nach nun fast 6 Wochen mal wieder zu Hause zu sein, war auch für mich ungewohnt.

Der eine Tag, den wir nun gewonnen hatten zu Hause zu verbringen, verging leider wie im Flug und schon waren wir wieder zurück im Krankenhaus zur Kontrolle des Bilirubinwertes von Kind 2. Es dauerte sehr lange bis sie den Wert im Labor ermittelt haben. Ich weiß es nicht mehr genau. Waren es 2 oder sogar 3 Stunden? Diese Stunden verbrachten wir übrigens in dem Raum, der eigentlich für Rooming-in zur Verfügung stand und den ich in den ganzen drei Wochen nicht benutzen durfte, weil er immer von einer anderen Mutter belegt war. Nun warteten wir also dort. Kind 1 konnte ich schon ganz gut mit Stillen beruhigen, aber Kind 2 war nicht so begeistert. Ein Glück waren wir zu Zweit und so war es nicht ganz so anstrengend mit den zwei Babys.

Endlich war das Warten vorbei. Der Arzt kam mit dem Ergebnis zurück. Der Wert sei wieder gestiegen und überschreite den Grenzwert jetzt um 0,1. Er haderte mit sich, aber wir durften wieder nach Hause gehen. Ich war so dankbar. Endlich frei. Endlich konnten wir als Familie starten und uns so richtig kennenlernen und beschnuppern.

Wir hatten es geschafft und nun ist es schon 8 Jahre her.

Das war die vorerst letzte Geschichte. Wenn ihr die anderen Anekdoten lesen mögt. Die findet ihr hier.

Schrecklicher Anruf

Heute genau vor 8 Jahren bekam ich einen schrecklichen Anruf.

Das Krankenhaus in dem ich ein paar Wochen vor der Geburt und dann drei Wochen nach der Geburt meiner Zwillinge verbracht habe, rief mich an. Genaugenommen rief mich eine der Schwestern an, die mich ja nach der langen Zeit auch gut kennengelernt hatten.
Sie hatte eine wirklich traurige Nachricht für mich. Eine Freundin von mir lag im Krankenhaus. Sie war eingeleitet worden und ihr Baby sei bei der Geburt gestorben. Sie ist sehr traurig und ich wäre doch mit ihr befreundet. Sie wollte mich informieren…

Es war ein Schock. Ich weinte erstmal. Ich war so unendlich traurig. Es tat mir so sehr leid für meine Freundin und ihre kleine Familie. Wir hatten uns im Krankenhaus kennengelernt. Wir beide waren etwa gleich weit in unser Schwangerschaft gewesen und sie hatte das Glück wieder entlassen zu werden, während meine Mädchen als Frühchen zur Welt kamen.

Und nun so ein Unglück… Meine Babys lebten und wir waren bereits zu Hause und ihr Baby war gestorben. Nicht mehr da. Es war so unwirklich.
Ich hatte gerade unseren Weihnachtsbaum geschmückt, denn die Babys schliefen friedlich, als ich den unheilvollen Anruf erhielt.
Es war sofort klar, dass ich ins Krankenhaus fahren musste. Aber wie? Babys mitnehmen? Mein Mann wollte natürlich auch, dass ich meine Freundin besuche, aber alleine mit den Babys bleiben, die zu dem Zeitpunkt noch nicht mal 2 Wochen zu Hause waren? Wir fühlten uns beide noch sehr wohl, wenn der Andere auch zum Helfen da war. Aber er nahm seinen Mut zusammen und schickte mich los.
Ich weiß gar nicht mehr wie es zu Hause lief mit den Dreien. Ich weiß aber noch sehr genau wie ich mich fühlte. Hilflos. Traurig. Wütend. Unsicher. Dankbar. Schüchtern.
Mir gingen unendlich viele Gedanken durch den Kopf, während ich zum Krankenhaus fuhr. Ich war schon mehrere Wochen nicht mehr Auto gefahren. Alles fühlte sich fremd an. Mir kamen immer wieder die Tränen.
Was sollte ich bloß meiner Freundin sagen? Wie schrecklich musste sie sich fühlen? Wie wäre es mir gegangen, wenn ich nun an ihrer Stelle da im Krankenhaus liegen würde?

Das Krankenhaus zu betreten brachte auch alle meine Gefühle der letzten Wochen mit hoch. Es war ein regelrechter Gefühlsüberschuss.

Als ich im Zimmer meiner Freundin ankam, war sie froh mich zu sehen. Wir begannen beide zu weinen. Es waren keine Worte notwendig.
Nach einer Weile erzählte sie mir was passiert war. Ich war einfach nur traurig und es tat mir sehr leid, dass sie das durchleiden musste, waren wir uns doch in dieser kurzen Zeit sehr nahe gekommen und hatten Sorge und Freude geteilt in den letzten Woche und nun dieser Schicksalsschlag…

Ich weiß nicht mehr wie lange ich bei ihr war und ich erinnere mich auch nicht mehr so richtig an den Heimweg, aber ich weiß noch, dass ich dem lieben Gott dankte, dass er uns einen solchen Schicksalsschlag erspart hat und betete für das kleine Sternenkind, dass es sich so lange bei Mama gemütlich gemacht hatte, aber einfach nicht den Weg auf diese Welt schaffte.

Meine Freundin hat darunter sehr gelitten. Besuche bei uns waren immer etwas wehmütig für uns beide, denn meine Mädchen wuchsen auf und ihr Sternenkind blieb im Herzen.

Das ist für Dich liebe C.! Du hast Unglaubliches durchgemacht. Ich fühle noch heute mit Dir. Ich bewundere Dich für Deine Kraft. Du bist eine starke Frau für Dich und Deine Familie! Lass Dich umarmen.

 

9. Anekdote

Es ist soweit auch die letzten zwei Erinnerungen aufzuarbeiten. Heute erzähle ich über den Hüftultraschall von Kind 2. Für alle, die es noch nicht wissen, meine Zwillinge sind 7 Wochen zu früh geboren. Die anderen Anekdoten könnt ihr hier nachlesen.

Kind 2 war unterversorgt im Mutterleib und kam mit 1,5kg auf die Welt. Sie ist unser Sorgenkind gewesen. Schon vor der Geburt und auch nach der Geburt machten wir uns große Sorgen um sie.
Nun stand ihr (regurlärer) Hüftultraschall an. Ich durfte dabei sein. Die Ärztin nahm mein Kind mit und trug sie durch den Wartebereich der Kinderklinik in einen Untersuchungsraum. In der Kinderklinik war an diesem Tag ein Weihnachtsbasar und es war sehr voll. Ich hatte große Angst vor Ansteckung, die ein Frühchen sehr schwächen könnte. Um die Neonatologie zu betreten musste man sich desinfizieren, aber hier war mein Mini-Baby quasi allem „frei ausgesetzt“. Später sah ich, dass es durchaus mobile Ultraschallgeräte gibt. Warum ein solches Gerät hier nicht zum Einsatz kam, weiß ich nicht. Eine der vielen Fragen, die ich mir stelle, wenn ich an diese Untersuchung zurückdenke.
Meine Kleine war in der Zeit die Kleinste/Leichteste auf der Station. So lag sie nun auf dem Untersuchungstisch. Unten ohne. Das kalte Gel mit dem Ultraschallkopf auf ihrer Hüfte. Sie bepullerte sich und meckerte. Ich versuchte sie zu trösten, aber hochnehmen konnte ich sie nicht, denn sie wurde untersucht. Die Oberärztin machte den Ultraschall während sie einer zweiten Ärztin erklärte was sie tut. Nicht etwa mir…

Als sie fertig war übergab die den Ultraschallkopf ihrer Kollegin und die machte denselben Ultraschall nochmal. Meine Kleine bepullerte sich ein zweites Mal und weinte inzwischen recht heftig. Als die Damen endlich fertig waren, durfte ich mein Kind hochnehmen und dann wurde ich mit meinem Baby zurück zur Neo geschickt. Keiner hat mir etwas erklärt und ich wurde aus dem Raum geschickt während sich die Frauen noch unterhielten. In meiner Erinnerung war es auch so ein Abwinken ala „Sie können jetzt gehen, wir brauchen Sie hier nicht mehr“. Es war das erste Mal, dass ich mein Kind ohne Kabel halten und tragen durfte. Ohne Aufsicht. So als wäre ICH wirklich ihre Mama… Frei zu gehen wohin ich will… Ihr könnt Euch dieses Gefühl vielleicht gar nicht vorstellen.

Ich bin natürlich schnell mit ihr zurück zur Station. Ich drängelte mich mit meinem Frühchen an den Menschen vorbei, die zum Weihnachtsbasar gekommen waren. Eine surreale Situation. Ich hatte große Angst um mein Baby und es wurde mir bewußt was da gerade passiert war. Die Oberärztin hatte mein Baby „benutzt“ um der noch lernenden Ärztin den Ultraschall beizubringen.

Es macht mich heute noch unglaublich wütend. Ich könnte schreien vor Wut. Ausgerechnet am kleinsten Baby der Station muss die nun den Ultraschall lernen? Warum wird man als Elternteil darüber nicht wenigstens informiert geschweige denn um Erlaubnis gebeten? Was soll denn das eigentlich?
Diese Hilflosigkeit und Ohnmacht… diese Übermacht der Ärzte und Schwestern ist sehr präsent und es ist einfach nur schrecklich für die Eltern.

Meiner Kleinen ist nichts passiert, aber mit mir hat dieses Erlebnis viel gemacht. Dieses Erlebnis hat mich wirklich fertig gemacht. Zusammen mit den anderen Anekdoten führt es dazu, dass ich nicht gerne an unsere Zeit im Krankenhaus zurückdenke.

Aber das weiß sicher jeder, der alle Anekdoten gelesen hat.

 

 

8. Anekdote

Ich habe noch drei Geschichten aus meiner Zeit mit den Zwillingen im Krankenhaus für Euch.

Falls ihr die ersten 7 lesen möchtet, die findet ihr hier.

Heute erzähle ich von einem Besuch, der mir sehr in Erinnerung geblieben ist.

Meine Eltern wollten mich besuchen. Sie beschwerten sich darüber, dass ich kaum noch erreichbar war und dass sie mich gerne sehen wollten. Wir machten einen Tag aus und trafen uns im Café des Krankenhauses. Ich (Häufchen Elend) war wohl etwas abwesend.  Die Tage im Krankenhaus haben mich viel Kraft gekostet und ich hatte einen Kaiserschnitt zu heilen. Mal ganz abgesehen von den emotionalen Wunden. Mir war eigentlich gar nicht nach Besuch und wenn ich etwas erzählte, dann versuchte meine Mutter mich aufzuheitern, aber das kam bei mir nicht gut an.

Ein paar Sätze sind mir noch sehr präsent: „Jetzt hast Du es ja geschafft. Jetzt wird alles gut. Sei doch froh, dass sie gesund sind.“ So oder so ähnlich sind sie gefallen und ich fand das einfach nur unglaublich fern.

So fern von dem was ich fühlte. Es fühlte sich überhaupt nicht geschafft an. Nix war gut und die Mädchen waren Frühchen. Ich hatte einfach unglaublich Angst um sie. Die ganze Situation belastete mich auf so vielen Ebenen, die mir nicht mal alle klar waren. Ich weiß noch genau, dass ich das Treffen kurz hielt und ich weiß auch, dass meine Mutter das alles sehr traurig machte. Sie fühlte sich sicher etwas hilflos. So im Nachhinein fühle ich sehr mit ihr, aber in der Zeit und in dem Moment war ich so mit mir und den Babys beschäftigt, dass ich nichts um mich rum so richtig mitbekommen habe und es war mir auch egal. Ich wollte meine Ruhe haben…

7. Anekdote

Heute gibt es die siebte Geschichte aus unserer Zeit im Krankenhaus. Die anderen Sechs könnt ihr hier lesen.

Schon wenige Tage nach der Geburt war klar, dass die kleinen Körper meiner Mädchen nicht mit der Neugeborenen-Gelbsucht klarkommen. Die Blutwerte übersteigen irgendwelche festgelegten Grenzen erklärt uns der Arzt oder war es eine Ärztin?

Was bedeutet das?

Ab jetzt müssen die Mädchen mehrere Stunden am Tag unter einer Blaulichtlampe liegen. Wir können dadurch weniger kuscheln. Im Fachjargon auch känguruhen genannt. Ich glaube es waren immer 4 Stunden Blaulicht und 4 Stunden Pause. Das Ganze 24 Stunden lang.

Es gibt eine Blaulichtlampe, die man unter das Baby schieben kann beim Kuscheln auf Mamas Brust, aber ob genug Blaulicht an den kleinen Körper kommt, wissen die Schwestern und Ärzte nicht. Daher wollen sie es nicht so häufig.

Erstmal benötigt nur Kind 2, also die Kleinere von Beiden, Blaulicht, aber schon am nächsten Tag folgt Kind 1.

Von nun an heißt es bangen um diesen blöden Bilirubinwert. Ich trinke fleißig Löwenzahntee. Das soll helfen die Verdauung anzuregen und damit den Abbau des Bilirubins im Körper beschleunigen. Also bei mir wirkt es. Meine Verdauung funktioniert dadurch einwandfrei. Leider senkt sich der Wert bei den Mädchen nicht sehr schnell und wir müssen immer wieder unter die Lampe.

Einmal müssen so viele Kinder auf der Station behandelt werden, dass die Lampen nicht ausreichen und sie meine Mädels zusammen in einen Brutkasten legen und gemeinsam bestrahlen. Was für ein schöner Moment. Endlich sind sie nicht so alleine, wenn ich sie mal nicht auf der Brust habe. Ein schönes Gefühl. Warum sie das nicht dauerhaft möglich machten, frage ich mich oft im Nachhinein. Gefühlt würde ich sagen, waren sie ein bisschen ruhiger als sie zusammen lagen. Aber das kann auch meine eingebildete Erinnerung sein.

Was es mit dieser Blaulichlampe auf sich hat könnt ihr bei Wikipedia nachlesen im Bereich Phototherapie. Die Therapie ist nicht ganz ungefährlich. Sie kann die Netzhaut schädigen und sie trocknet die Haut aus. Wenn die Kinder sich die „Brille“ vom Kopf gerubbelt haben, dann habe ich mir immer große Sorgen gemacht. Und ich war wütend, dass die Schwestern das nicht gesehen haben. Oft wurde die Schutzbrille auch gar nicht richtig aufgesetzt. 😦

Aber zum Glück haben wir keinen bleibenden Schaden an den Augen davon getragen. Leider weiß man das nicht, wenn man im Krankenhaus um sein Kind bangt.

Übrigens ist ja das Schlafen bei Licht sehr umstritten und dieses sehr intensive Licht und dann auch noch blau… Wer weiß warum die Zwei noch lange Zeit rekordverdächtig schlecht geschlafen haben? Heute ist das zum Glück besser.